Gastfamilie 

In den letzten Tagen ist recht viel bei mir passiert, deshalb wird dieser Eintrag etwas länger werden.
Ich wusste ja immer nicht, in welche Gastfamilie ich nun komme, und bis ich dann am Samstagabend in der Wohnung war, hatte ich auch keinen blassen Schimmer, was mich erwartet. Nun ja, ich muss ehrlich sagen, dass ich relativ geschockt war. Die Familie war nicht auf mich vorbereitet, sie hat mich anscheinend ganz kurzfristig übernommen und ich bekam einen ca. 7 qm großen Raum mit Bettgestell und Matratze als Zimmer. Ohne Fenster nach draußen. Da musste ich erst einmal schlucken, ich muss gestehen, dass ich mir das anders vorgestellt habe. Besonders ordentlich ist die Wohnung auch nicht gewesen und da ich abends kam, als es schon dunkel war und nur kaltes Licht die Wohnung etwas ausleuchtete, wirkte es nicht besonders einladend.

Nachts kam dann der 33-jährige Sohn des Ehepaares, der mir das wlan Passwort gab. Das funktioniert sehr gut!

Am nächsten Morgen richtete ich dann mein Zimmer etwas ein, die Mutter half mir dabei und war so süß und stellte Duftkerzen auf, damit es gut riecht. Die ganze Familie gibt sich große Mühe, damit es mir gefällt! Sie fragen nach meinem Lieblingsessen, was ich in meiner Freizeit mache usw. Teilweise ist es mir etwas peinlich, alles ehrlich zu beantworten, denn der Lebensstandard ist schon ein ganz anderer als in Deutschland. Ich bin mir auch noch nicht 100% sicher, ob ich hier das ganze Jahr bleiben werde, Virginia meinte, es ist erst einmal für die nächste Zeit. Sicher war es nicht einfach, in so kurzer Zeit, Ersatz für die Familie zu finden, die einen männlichen Mitbewohner abgelehnt hatte. Ich hoffe eigentlich, dass sie ein besseres Zimmer für mich findet, denn Armut sehen und in Armut leben ist ein großer Unterschied und meiner Meinung nach, muss ein Zuhause auch dazu da sein, um sich wohl zu fühlen. Ich möchte in diesem Jahr nicht Monate vorher anfangen, die Tage bis ich wieder in Deutschland bin, zu zählen.

Am Sonntag ging es dann noch auf den Markt um Zwiebeln, Bananen und Reis zu kaufen.
Am Montag war dann mein erster Tag in der Einsatzstelle. Ich musste um 6 aufstehen, weil mich um halb 8 meine Mentorin abholte, um mir den Weg zur Schule zeigen können. Ich hoffe, dass ich mich auch ohne ihre Hilfe zurechtfinde, denn einen Plan oder zuverlässige Wegbeschreibungen habe ich noch nicht gefunden.
Angekommen an der Schule wurde ich direkt dem Direktor vorgestellt und einem Lehrer, der mehr oder weniger für mich zuständig ist.
Natürlich wird man auf dem Schulhof angeguckt wie ein Alien, was zum einen natürlich am mitteleuropäischen Aussehen liegt (zähle hier mit 1,82m zu den größten), aber auch mit meiner Hautfarbe auffalle, wie überall in Quito.

Die Themen im Unterricht sind mehr oder weniger die gleichen wie in Deutschland. In der 5. Klasse werden geometrische Figuren behandelt, aber die Schüler müssen sich auch mit dem Klimawandel beschäftigen und Bilder dazu malen.
Ich werde manchmal angesprochen, ob ich helfen könne, und freilich, wenn kein Lehrer guckt, schreibe ich die Malfolge der 9 fein säuberlich auf, damit der kleine Juan eine gute Note bekommt! 😀 man tut was man kann!

Mit dem Spanisch komme ich ganz gut klar, Verstehen ist nicht so das Problem, auch wenn sie schnell reden, aber sprechen fällt mir noch etwas schwer…

  

  
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