Chimborazo

Obwohl der Freitag schon so aufregend war, ging es am Samstag wieder früh raus. Eine Tasse Milch und Brot mit Käse zum Frühstück, danach fuhren wir vier mit der ganzen Familie in zwei Autos zum Chimborazo, mit über 6000m der höchste Berg Ecuadors. Leider war es bewölkt, sodass sich die schneebedeckte Spitze immer nur für Sekunden zeigte. Am Fuße des Berges auf ungefähr 3200m Höhe mussten sich alle, die höher wollten, registrieren.

Dann ging es durch die karge aber schöne Landschaft vorbei an Vicuñas, Lamas und Alpacas, die am Wegesrand das wenige Gras abknabberten, zur ersten von drei Schutzhütten. Eigentlich waren diese für Bergsteiger errichtet, die sich vor der Besteigung akklimatisieren müssen, aber recht touristisch werden dort Speisen verkauft und man konnte, bevor der Gang Richtung Gipfel folgte, erst einmal den Toilettengang antreten… Dabei machte einem nicht die Höhe wie später beim Aufstieg zu schaffen, sondern eher die vielen drängelnden Menschen. Ich schätze das für mich fast als anstrengender ein. 😀

Dann ging es einen relativ gut befestigten Pfad in Richtung zweite Schutzhütte. Dabei begegneten einem sowohl Frauen, die den Chimborazo anscheinend mit dem Laufsteg verwechselten, als auch professionell ausgerüstete Bergsteiger. Skinny Jeans und modische Lederjacke trifft Eispickel und Steigeisen auf mehr als 3800m bei ca. 8 Grad. 😊  Auf dem Weg ging man an einer Art Friedhof vorbei, wo Grabsteine der Menschen standen, die bei der Besteigung ums Leben kamen. Da wurde einem die Gefahr der Unterschätzung noch einmal bewusst.

Bei der zweiten Schutzhütte trennte sich dann ‚Spreu vom Weizen‘ und die meisten traten den Rückweg an. Ich war dann allein, ich wollte auf jeden Fall so hoch hinaus wie ich konnte. Die einzigen, denen ich dann noch begegnete, waren Lwite von der Bergwacht. Leider war der Gipfel nie zu sehen weil ich mich permanent in den Wolken befand und die Sichtweite unter 50m betrug. Die Höhe machte mir, anders als den anderen ‚meiner Familie an diesem Wochenende‘ nicht besonders zu schaffen. Ich denke, das lag daran, dass ich ja in Quito auf 2800m lebe und somit die dünnere und sauerstoffärmere Höhenluft schon etwas gewohnt bin. Der Pfad wurde immer schmaler und war teilweise nicht mehr zu erkennen. Plötzlich tat sich der Blick auf eine kleine Lagune auf, wo ich dann andere Bergsteiger aus Argentinien traf und mich mit ihnen kurz unterhielt. Dahinter stand ein Schild, das die weitere Besteigung verbot. Die Bergführerin hielt mich davon ab, trotzdem weiter zu gehen, denn es sei viel zu gefährlich und es kämen dutzende Menschen jedes Jahr zu Tode.

So war ich also auf 5100m Höhe, sah den Gipfel nicht und fühlte mich irgendwie überfüllt, denn abgehalten zu werden obwohl man könnte und will ist ein beschissenes Gefühl. So blieb mir nichts übrig als ein kurzes Foto mit dem Schild zu machen und dann wieder den Rückweg anzutreten. Schade Schokolade.

Apropos Schokolade: mitgenommen hatte ich mir eine Tafel Rittersport auf 5000m Höhe. Die Sorte natürlich passend: Alpenmilch! 😀 

    
    
   

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