Sportfest Schule

Ich erinnere mich noch genau an das Sportfest bei mir in der Grundschule Grüntal. Da kam immer so ein Zusammenhalt auf, vor allem, wenn dann endlich mal beim Tauziehen ermittelt wurde, welche Klasse denn nun die stärkste aller Klassen ist…
Da waren alle anderen Disziplinen wie Dreierhopp, Weitwurf oder Geschicklichkeitsspiele nebensächlich – Tauziehen war entscheidend!
Am Freitag war auch hier in meiner Schule in Ecuador Sportfest. Wieder einmal sah man sehr viele Eltern auf den Tribünen, von jedem Kind mindestens ein Elternteil. Dafür werden wohl immer die Urlaubstage genommen, solche Veranstaltungen sind den teilweise erst Anfang 20-jährigen Eltern sehr wichtig! Jede Klasse hatte auch eine „Königin des Sports“ und an ihrer Seite einen „König des Sports“. Ich glaube die Lehrer und Eltern lieben es, ihre Kinder herauszuputzen! 😀

22.1.2016: Beim Sportfest
22.1.2016: Beim Sportfest

Jedenfalls marschierte jede Klasse unter tosendem Beifall in die „Arena“ (den Schulhof) ein, den Allerkleinsten musste der Weg gezeigt werden, wie auf dem Flughafen, frei nach dem Motto „bleiben sie erst stehen, wenn sie ihre endgültige Parkposition erreicht haben, die Schule ‚Pablo Neruda‘ bedankt sich für Ihre Aufmerksamkeit und wünscht Ihnen noch einen angenehmen Tag und hofft, sie bald wieder an Bord der Schule begrüßen zu dürfen!“ 😀
Die „olympische Fackel“ wurde hineingetragen und danach wurden enthusiastisch  Nationalhymne und Hymne des Sports von Ecuador  gesungen.
Dann ging es los: die Klassen spielten gegeneinander Fußball, tanzten, zeigten Turnübungen und alle hatten ihren Spaß. Am Ende spielte ich dann noch auf Seite der Lehrer gegen die Eltern Fußball – sehr lustig das ganze, auch wenn die Schüler natürlich die Eltern anfeuerten und mir gedroht wurde, dass sie nicht mehr Englisch lernen wollten, wenn ich gut spielen würde … 😀
Nachdem alle Kinder nach Hause gegangen waren, trafen sich alle Lehrer noch einmal, um den Geburtstag des Direktors zu feiern, dabei wurde getanzt, gegessen, gelacht, Musik gespielt und (mal) nicht über Schüler gelästert … 😀

Demokratie in der Schule

In Deutschland arbeite ich ja bereits als Schülerfortbildner beim LISUM und war deshalb sehr gespannt wie die Demokratie in Ecuador in der Schule vermittelt und praktiziert wird. Ehrlich gesagt, habe ich nicht damit gerechnet, denn die Politik des Präsidenten nimmt hier diktatorische Züge an. Aber es gibt ähnliche Systeme wie in Deutschland! In Brandenburg können Grundschüler sich in Gremien der Schule wählen lassen, und haben in der Schulkonferenz eine beratende Funktion.
Eines Tages kamen einige Schüler in eine Klasse mit einem großes Transparent „Lista A“. Schlagartig war die Stimme des unterrichtenden Lehrers nicht mehr zu verstehen, denn das Grölen der Schüler hätte selbst einen startenden Düsenjet übertönt. Wahlkampf in der Schule!
Die „Lista A“ stellte mit ihren zur Wahl stehenden Kandidaten ihre Inhalte vor, bei denen es entweder tosenden  Beifall oder ein gellendes Pfeifkonzert gab. Genau wie die „Lista A“ stellten die beiden weiteren Partein ihre Veränderungsziele an der Schule vor. Diese gleichen sich zu denen in Deutschland – Netze für die Fußballtore, Renovierung der Toiletten oder neue Wasserspender!
Am folgenden Tage wurden die Klassen dann nacheinander auf den Schulhof gebeten um auf einem Wahlzettel ihre Stimme abzugeben und in die Wahlurne zu geben.
Die „Lista A“ gewann und so sind sie mit ihren 5 Kandidaten in der Schulkonferenz vertreten, die über Angelegenheiten der Schule bestimmt. Dazu kommen 5 Eltern und 5 Lehrer – lustig – genau wie in Brandenburg!
Ich kann natürlich nur für meine Schule sprechen, wie das an anderer Schulen gehandhabt wird kann ich nicht sagen, das hängt sicher auch sehr vom Engagement des Schulleiters ab – auch darin sind sich Ecuador und Brandenburg sehr ähnlich! 😀

  

Jahreswechsel

Silvester wird in Ecuador auch mit Feuerwerk in den Städten gefeiert. In dem Ort, wo wir Freiwilligen uns zu Silvester trafen, wurden auch traditionell große Strohpuppen  (welche Politiker, Schauspieler und Sportler darstellen sollten) in den Straßen aufgestellt und angezündet. Das Feuer soll symbolisch die schlechten Taten des alten Jahres vernichten. „Años viejos“ – „Alte Jahre“ werden die Puppen genannt. Ich habe viele Fotos von Freunden in Quito gesehen, die den Jahreswechsel mit der Familie verbracht haben. Für sie war es vielleicht sogar so wichtig, Weihnachten mit ihren Liebsten zu feiern und keine Böller am Nachmittag um 15 Uhr in Briefkästen zu zünden. Feuerwerk gibt es in Ecuador eigentlich nur Professionelles, nicht für jedermann. Aber die kleinen Jungs, die – kaum haben sie ein paar Böllerchen in der Hand – schon spielen „Wer bringt mit dem lautesten Böller die meisten Nachbarn gegen sich auf“, werden wohl nie aussterben … 😀
Ich finde es im Nachhinein schade, das so in Familie nicht erlebt zu haben – ich traf mich mit 11 anderen deutschen Freiwilligen an der Küste  –  auf der Suche nach einem Hostel in Canoa. Das gestaltete sich einen Tag vor dem Jahreswechsel für so eine Gruppe recht schwierig, aber schließlich fanden wir eines zu moderatem Preis. Der Tag war dann voll von Sonne, Strand und Meer, bevor am Abend unsere Party stieg!

Am Neujahrstag fuhren dann Sven, ein Freiwilliger aus Puerto López an der Küste und ich, nach Montañita – dem „Ballermann“ am Pazifik.
Dazu wollten wir die ca. 320 km lange Strecke aber nicht mit dem Bus zurücklegen, sondern trampen. Gesagt, getan. Und so standen wir am Straßenrand und hielten den Daumen draußen. Den gesamten Tag nahmen wir Platz auf Ladeflächen von LKWs, Pickups, aber auch auf der Rückbank von Familienkutschen. Ich hab nicht mehr mitgezählt, doch ich glaube, es waren so 6-8 verschiedene Vehikel. Es war warm, selbst hinten drauf und bei Regen. Hier wird das Ganze trotz der Gefahr sehr locker gesehen und die Ecuadorianer sind wirklich sehr routinierte Fahrer. Ich empfinde es als ein unbeschreibliches Glücksgefühl, wenn nach einer halben Stunde Warten endlich jemand rechts heran fährt, man hinterher rennt, man gefragt wird, wo man hin will und die Richtung übereinstimmt! Dann Rucksack hinten drauf, man sitzt noch nicht mal drin, schon wird in gefühlten 3 Sekunden auf 100 beschleunigt. 😀 So lernt man das Land noch einmal viel intensiver kennen, hört viel verschiedene Musik, jeder erzählt bei der kurzen oder längeren Fahrt von seinen Erfahrungen und man bekommt so viele Storys von Mensch und Land mit, dagegen ist der Caféklatsch meiner Oma ein Witz… ;D
Am Ende des Tages trafen wir in Montañita ein – rappelvoll noch immer! Dort blieb ich dann noch bis Sonntag, bevor ich in den Bus Richtung Quito stieg, denn am Montag, den 4.Januar erwarteten mich die Kinder wieder in der Schule….

  
  
  
  

Cuenca

Nach ein paar freien Tagen in Fundacion brach ich am Abend des 27. Dezember auf nach Cuenca. Die Stadt im Süden Ecuadors gilt wegen ihrer Architektur und Lage als eine der schönsten Südamerikas. (Bilder auf der Galerie-Seite „Cuenca“) Diesmal allein, machte ich mich auf die Reise. Im Bus traf ich vollkommen zufällig zwei andere Freiwillige, die nicht meiner Organisation angehören. Also schlossen wir uns kurzerhand zusammen und erkundeten nach der durchgefahrenen Nacht das Zentrum Cuencas. Es gibt dort wirklich wunderschöne Häuser. Mehr oder weniger restauriert versprühen sie kolonialen Scharm und wenn man die alten Kirchen und Kathedralen so bestaunt, freut man sich einerseits darüber und dass so viel von den 100-400 Jahre alten Bauten erhalten ist, andererseits denkt man auch darüber nach, was Weltkriege und Zweckbauten in Europa alles für architektonisches Kulturgut zerstört haben müssen.
Beeindruckend war für mich besonders die „neue Kathedrale“ die von 1865 bis 1967 gebaut wurde. Allerdings ohne Glocken auf den Türmen, denn Berechnungsfehler des deutschen Architekten machten es unmöglich, diese hinaufzuschaffen und so liegen sie bis heute im Eingangsbereich. 😀
Durch die lange Bauzeit fanden 8 Baustile den Weg in die Kathedrale – unter anderen der Klassizismus, Neoklassizismus und Barock.

Am Abend besuchten wir eine Hutmanufaktur, denn Cuenca ist berühmt für die Panama-Hüte. Sie werden aus dem Stroh der Toquilla Palme handgeflochten, die in Ecuador  wächst. Kurz vor Ladenschluss bekamen wir eine persönliche Führung, wobei uns erklärt wurde, dass der Panamahut seinen Namen daher bekam, weil Arbeiter beim Bau des Panama-Kanals diese trugen, und zuguterletzt Präsident Roosevelt einen trug als er den Bau begutachtete. Diese Fotos gingen um die Welt – so war der Name geboren. 🙂 Ich kaufte mir auch einen. Hoffentlich kann man mich dann bei der Sonneneinstrahlung hier am Äquator dann nicht mehr tagtäglich mit einer Tomate verwechseln. 😀

Am nächsten Tag fuhren wir zum nahegelegenen Nationalpark „Las Cajas“. Ein riesiges Naturschutzgebiet, wovon ein kleiner Teil bewandert werden kann – wobei klein nur in Relation zum gesamten Nationalpark zu verstehen ist!
Es war eine Registrierung mit Pass und Foto für eventuelle Vermisstenanzeigen nötig, bevor wir los wandern konnten.
Wir wählten eine 5-Kilometer-Route, für die man laut Anzeigetafel 4 Stunden brauchen sollte. Nach ca. 30 Minuten waren wir vollkommen allein – allein in der wunderschönen Landschaft bei kalten 7 Grad auf 4000 m Höhe. Vollkommene Ruhe – wenn meine Schüler in Quito mal so still wären, dachte ich mir …. 😀
So wanderten wir den mehr oder weniger gut ausgeschilderten „Rosa“ – Wanderweg entlang, trafen immer mal wieder Wanderer und plötzlich auch Alpakas. Die faszinierende Natur, die Luft so sauber – herrlich.
Die einzelnen Bäche und Lagunen führen glasklares, wohl bekommendes Wasser. Nach 4 Stunden waren wir durch, gelangten zu einer Straße, von wo die Mädchen zur nächsten Bushaltestelle laufen wollten, um dort einzusteigen. Aber wo sind wir?! Richtig – in Ecuador 😀 Also hielt ich den Daumen raus und ein paar Minuten später saßen wir zu dritt auf der Ladefläche eines Pickups, der uns in einem Affentempo zurück nach Cuenca fuhr! 🙂
Geschafft vom Tage kochten wir noch zusammen Lasagne … 🙂

Am nächsten Tag ging’s wieder früh raus, denn wir wollten zum „Macchu Pichu“ Ecuadors – Ingapilka. Diese Ruinen der Inka sind etwa 2h Busfahrt von Cuenca entfernt.
Wir aber waren etwas enttäuscht. Es ist touristisch stark aufbereitet – mit Beton nachgezogene Mauern und eine nur zu 3/9 des eigentlichen Umfangs vorhandene Führung wegen mangelnden Personals fanden wir etwas schade. Und dann ein stolzer Eintritt. Nichtsdestotrotz liefen wir dann allein herum und versuchten uns mit Hilfe des Reiseführers die 500 Jahre alten Ruinen etwas näher zu bringen. Wie die Inka ohne jeglichen Beton die Mauern ihrer Gebäude so filigran hinbekamen, verblüffte uns doch sehr. Da passt nichts in die Ritzen der Wand, als Klagemauer würde sich diese sehr schlecht machen!

Am Ende fanden wir diesen Ausflug sehr lohnenswert, hatten wir doch noch einen Einblick in die „Welt der indigenen Bevölkerung“ bekommen.

Am folgenden Tag verließen mich die Mädchen wieder, ich war noch einen Tag allein in Cuenca, bummelte durch die Stadt, aß hier mal ein Eis und da mal ein Stück Kuchen und ließ es mir gut gehen, bevor ich dann an die Küste fuhr, um mich mit anderen zum Jahreswechsel zu treffen. 🙂

  
  
  
  
  

Weihnachten

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen: so richtiges Weihnachten hatte ich hier in Ecuador nicht – was zum einen daran lag, dass ich nicht bei meiner Familie in Melchow war und zum anderen, weil meine Gastmutter/Mentorin Virginia gesagt hat, dass Weihnachten für sie keine Bedeutung habe. Mich wunderte es, da sie katholisch ist.
Bei mir kam während des gesamten Dezembers keine Weihnachtsstimmung auf – jeden Tag 25 Grad Wärme und Sonne – obwohl Deutschland ja wohl auch keine weihnachtlichen Temperaturen hatte. In der Vorweihnachtszeit traf ich somit nur in den Shopping-Centern auf weihnachtliche Deko. Es wurde mit allerlei Weihnachtsmännern, schneebedeckten Tannenbäumen und „Last Christmas“ geworben. Das war aber auch erst einmal alles.

Mitte Dezember fing dann bei den Nonnen die „Novena“ an. Neun Tage lang wurden Lieder gesungen, aus der Bibel vorgelesen und Theaterstückchen aufgeführt. Jeder Tag hatte ein eigenes Motto, das in einem extra veröffentlichten

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15.12.2015

„Novena“ Heftchen stand, wie zum Beispiel, dass wir unser Wasser und Essen nicht so verschwenden, sondern wertschätzen sollten, oder jeden Tag etwas Gutes tun sollten.
Die Kinder waren relativ unaufmerksam , freuten sich aber über die geklaute Hausaufgabenzeit! 😀
Alle Betreuer und ein paar Bekannte spielten so eine Art ‚geheimer Freund‘, bei dem jeden Tag eine kleine Überraschung in dafür angefertigten Dosen zu finden war. Am Ende trafen wir uns alle zum Weihnachtsessen bei KFC und es gab für jeden eine etwas größere kleine Sache 🙂 Das erinnerte mich an unser Wichteln in Deutschland.
Am letzten Tag dieser „Novena“ verkleideten sich viele der Kinder als Engel, die Heiligen drei Könige und eben Maria und Joseph.

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15.12.2015

Dann zogen wir um die Häuser des Viertels, wurden von einigen Familien ins Haus eingeladen und es wurde ununterbrochen gesungen! Das ist Tradition, und wie ich finde eine sehr schöne, denn es werden alle eingeladen mitzumachen, viele lächeln und machen Fotos der singenden Kindern und erfreuen sich dessen in der auch in der Weihnachtszeit chaotischen Großstadt.

Am Heiligabend waren wir (Virginia, Carmen und ich) gemeinsam Mittag essen bei KFC (die amerikanische Hähnchenbraterei…) und danach auf einem Markt, wo ich mir ein kleines Schachspiel aussuchen durfte. Das war eine sehr nette Sache der beiden, habe mich sehr darüber gefreut! Dort spielen Indianer – schwarz – gegen die Spanier -natürlich weiß!

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24. 12.2015: In der Kirche zum Heiligen Abend

Am Abend des 24. bin ich dann auch zu „meinen“ Nonnen in die Kirche zur Messe gegangen. Das war mein Weihnachten. Die Kinder waren als Engel verkleidet und der Großteil der Eltern hatte sich fein gemacht. Es saßen so ca. 200 Leute in der aus allen Nähten platzenden Kirche. Jede Familie hatte mindestens ein Kind auf dem Schoß – und es war nicht etwa das eigene, sondern Puppen Jesu.

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24. 12.2015: In der Kirche zum Heiligen Abend

Es sah etwas lustig aus, wie anstelle des eigenen Kindes die Puppe auf dem Schoß Platz nahm. Mal Jüngere, mal Ältere wurden am Ende der Messe gesegnet. Es wurde viel gesungen, der Pfarrer appellierte daran, dass wir die Sachen, die wir von Gott bekommen haben, noch mehr wertschätzen und voller guten Mutes ins Jahr 2016 starten sollen!
Er erinnerte an das Problem der Flüchtlinge – auch in Ecuador ist es angekommen.
Das Ende war recht emotional, alle umarmten sich, wildfremde Leute wünschten sich von Herzen frohe Weihnachten und es fühlte sich so an, als ob all diese Menschen für einen kurzen Augenblick ihre Sorgen vergessen haben und sich freuten, mit ihrer Familie in der Kirche beisammen zu sein. Das war ein sehr sehr schönes Gefühl, hatte etwas von Gemeinsamkeit und das habe ich auch sehr genossen!
Ich denke, Weihnachten ist hier auch ein Fest der Familie, des Zusammenseins und der Gemütlichkeit.

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24. 12.2015: In der Kirche zum Heiligen Abend