Weihnachten

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen: so richtiges Weihnachten hatte ich hier in Ecuador nicht – was zum einen daran lag, dass ich nicht bei meiner Familie in Melchow war und zum anderen, weil meine Gastmutter/Mentorin Virginia gesagt hat, dass Weihnachten für sie keine Bedeutung habe. Mich wunderte es, da sie katholisch ist.
Bei mir kam während des gesamten Dezembers keine Weihnachtsstimmung auf – jeden Tag 25 Grad Wärme und Sonne – obwohl Deutschland ja wohl auch keine weihnachtlichen Temperaturen hatte. In der Vorweihnachtszeit traf ich somit nur in den Shopping-Centern auf weihnachtliche Deko. Es wurde mit allerlei Weihnachtsmännern, schneebedeckten Tannenbäumen und „Last Christmas“ geworben. Das war aber auch erst einmal alles.

Mitte Dezember fing dann bei den Nonnen die „Novena“ an. Neun Tage lang wurden Lieder gesungen, aus der Bibel vorgelesen und Theaterstückchen aufgeführt. Jeder Tag hatte ein eigenes Motto, das in einem extra veröffentlichten

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15.12.2015

„Novena“ Heftchen stand, wie zum Beispiel, dass wir unser Wasser und Essen nicht so verschwenden, sondern wertschätzen sollten, oder jeden Tag etwas Gutes tun sollten.
Die Kinder waren relativ unaufmerksam , freuten sich aber über die geklaute Hausaufgabenzeit! 😀
Alle Betreuer und ein paar Bekannte spielten so eine Art ‚geheimer Freund‘, bei dem jeden Tag eine kleine Überraschung in dafür angefertigten Dosen zu finden war. Am Ende trafen wir uns alle zum Weihnachtsessen bei KFC und es gab für jeden eine etwas größere kleine Sache 🙂 Das erinnerte mich an unser Wichteln in Deutschland.
Am letzten Tag dieser „Novena“ verkleideten sich viele der Kinder als Engel, die Heiligen drei Könige und eben Maria und Joseph.

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15.12.2015

Dann zogen wir um die Häuser des Viertels, wurden von einigen Familien ins Haus eingeladen und es wurde ununterbrochen gesungen! Das ist Tradition, und wie ich finde eine sehr schöne, denn es werden alle eingeladen mitzumachen, viele lächeln und machen Fotos der singenden Kindern und erfreuen sich dessen in der auch in der Weihnachtszeit chaotischen Großstadt.

Am Heiligabend waren wir (Virginia, Carmen und ich) gemeinsam Mittag essen bei KFC (die amerikanische Hähnchenbraterei…) und danach auf einem Markt, wo ich mir ein kleines Schachspiel aussuchen durfte. Das war eine sehr nette Sache der beiden, habe mich sehr darüber gefreut! Dort spielen Indianer – schwarz – gegen die Spanier -natürlich weiß!

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24. 12.2015: In der Kirche zum Heiligen Abend

Am Abend des 24. bin ich dann auch zu „meinen“ Nonnen in die Kirche zur Messe gegangen. Das war mein Weihnachten. Die Kinder waren als Engel verkleidet und der Großteil der Eltern hatte sich fein gemacht. Es saßen so ca. 200 Leute in der aus allen Nähten platzenden Kirche. Jede Familie hatte mindestens ein Kind auf dem Schoß – und es war nicht etwa das eigene, sondern Puppen Jesu.

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24. 12.2015: In der Kirche zum Heiligen Abend

Es sah etwas lustig aus, wie anstelle des eigenen Kindes die Puppe auf dem Schoß Platz nahm. Mal Jüngere, mal Ältere wurden am Ende der Messe gesegnet. Es wurde viel gesungen, der Pfarrer appellierte daran, dass wir die Sachen, die wir von Gott bekommen haben, noch mehr wertschätzen und voller guten Mutes ins Jahr 2016 starten sollen!
Er erinnerte an das Problem der Flüchtlinge – auch in Ecuador ist es angekommen.
Das Ende war recht emotional, alle umarmten sich, wildfremde Leute wünschten sich von Herzen frohe Weihnachten und es fühlte sich so an, als ob all diese Menschen für einen kurzen Augenblick ihre Sorgen vergessen haben und sich freuten, mit ihrer Familie in der Kirche beisammen zu sein. Das war ein sehr sehr schönes Gefühl, hatte etwas von Gemeinsamkeit und das habe ich auch sehr genossen!
Ich denke, Weihnachten ist hier auch ein Fest der Familie, des Zusammenseins und der Gemütlichkeit.

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24. 12.2015: In der Kirche zum Heiligen Abend

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