Semana Santa – Ostern – Karfreitag 

Cucurucho – Eiswaffel, diese Vokabel hatte ich in der 8. Klasse im Spanischunterricht gelernt als es darum ging, wie man sich ein Eis bestellt. Nun ja, am Karfreitag zogen auch Cucuruchos durch die Straßen, aber eben keine Eiswaffeln. Vielmehr waren es tausende streng gläubige Katholiken von verschiedensten Kirchengemeinden, die den Leidensweg Jesu Christi nachempfinden wollten und somit diesen Büßegang durch das historische Zentrum auf sich nahmen. Irgendwie furchteinflössend sahen sie aus, sofort wurde man durch die spitzen Hauben und Gewänder an den Ku-Klux-Klan erinnert. Diese Hauben mit Sehschlitzen dienen aber der Anonymität – keiner soll sich präsentieren, sondern sich eben nur auf diesen Weg, den Glauben und Gott konzentrieren und damit die Beziehung stärken. Begleitet wurden diese Tausenden von „Cucuruchos-Musikern“ und natürlich von einem Vielfachen an Touristen, die das Ganze als Riesen-Spektakel sahen. Ab und zu gab es Gläubige, die sich selbst geißelten, riesige Holzkreuze gebaut hatten und wie Jesus am Karfreitag diese unter großer Qual bis zur völligen Erschöpfung durch die Straßen schleiften. Der Schweiß rann die Stirn hinunter, dazu das ächzende Stöhnen und wunde Füße vom stundenlangen laufen auf Asphalt. Der Brauch kommt aus Europa, genauer gesagt Spanien und Sevilla – mir erschien er weltfremd. 

Es ist eine andere Kultur, Herangehensweise an die Dinge und mir wurde gesagt in den schwierigen Zeiten in Südamerika ist die Religion oft die tragende Stütze der Menschen. 

Ostern treibt es dann alle Menschen in die Kirchen, streng katholisch ist Ecuador ja, aber trotzdem gehen viele unregelmäßig ins Gotteshaus. 

Zum Abschluss ging ich noch mit einer Freundin „fanesca“ essen. Eine Suppe aus zwölf verschiedenen Gemüsesorten, die nur zu Ostern zubereitet wird – für die 12 Apostel. Geschmeckt hat sie nach meinem Empfinden wie eine Art Kartoffel-Kürbis- Suppe.  

Einen großen Vorteil für die Touristen hat aber die „Semana Santa“, außer vielen Erlebnissen und Eindrücken… es wird nämlich fast gar nicht geklaut in diesen Tagen … 🙂

   
    
    
    
   

  

Friseur in der Schule 

Große Pause – ca. 25 junge Frauen kommen durch das Eingangstor – nur für mich. Nein, sie waren mit Scheren bewaffnet um die ungezogenen Schüler zu bestrafen. Ok nein, auch nicht – jetzt reicht es aber mit Späßen 😉 😀 In der linken Hand die Schere, in der anderen Föhn und alles was man braucht um den Kindern der ganzen Schule die Haare zu schneiden! 

25 angehende Friseurinnen schnitten also allen Schülern die wollten, kostenlos die Haare, um ihr Handwerk zu üben. Beim Friseur kostet das hier normalerweise 2-3$, Frauen 5-6 – je nachdem. Aber für die Schüler war es natürlich in doppelter Hinsicht von Vorteil – zum einen kein Geld bezahlen, denn drei Dollar sind für die meisten viel Geld und natürlich zum anderen konnte man guten Gewissens nach der Pause vom Unterricht fern bleiben, wenn man sich doch „aus versehen“ zum dritten Mal in der Schlange ganz hinten angestellt hatte … 😀

   
    
    
    
    
 

8. März – Frauentag 

8. März – Frauentag. Daran wurde ich groß in der Schule erinnert, denn die Schüler stellten Gruppenarbeiten diesbezüglich an der Pinnwand aus, die ich jeden Morgen auf dem Weg ins Oval Office des Direktors passiere. Da wir 5 männliche und 28 weibliche Lehrer sind, legten wir Männer alle zusammen und bereiteten eine Überraschung vor. In Deutschland war mir der Frauentag vor allem dadurch aufgefallen, dass mein Vater eine kleine Aufmerksamkeit auf den Platz meiner Mutter legte und ich nur gerade mal was hatte, wenn die Grundschullehrerin dazu aufgerufen hatte, doch bitte ein Gedicht abzuschreiben. 

Hier ist das anders. Meine beiden „Mütter“ überraschte ich mit Blumen auf dem Frühstückstisch, worüber sie sich sehr freuten. 

In der Schule dann rannten einige Jungs relativ aufgeregt mit ein paar Rosen rum und nach der großen Pause versammelte sich die ganze Schule, um für die Frauen und Mädchen ein Ständchen zu singen, wo vor allem an die Fürsorge und Liebe der Frauen gegenüber ihren Kindern erinnert wurde. Danach gab jeder Junge einem Mädchen seine Rose und sagte ihr, dass es sie lieb hat. Soweit so gut. Aber dass das natürlich auch zu vielen Tränen führte, weil einige Mädchen von den Jungs nicht beachtet wurden und nur mit Aufforderung und wider Willen lieblos eine Rose in die Hand gedrückt bekamen, daran hatten die Lehrer anscheinend nicht gedacht…
Der Musiklehrer, glühender Verehrer romantischer Lieder sowie der Direktor, der in den Pausen nicht ohne dreifache weibliche Begleitung anzutreffen ist, organisierten nach der Schule noch Kuchen, Essen , Rosen und Schokolade für das weibliche Kollegium. Das war die Überraschung von uns 5 Männern an die Frauen der Schule. Somit saßen wir eine Stunde zusammen, der Musiklehrer und der Sportlehrer sangen, der Direktor flirtete, der Lehrer der 5. quatschte und Profe Fernando bewirtete und achtete darauf, dass ja niemand zu wenig Kuchen auf seinem Teller hatte… 😀
Auch später auf dem Weg nach Hause sah ich sehr viele Männer und Frauen mit Blumen und Geschenken in der Hand. Ich denke, der Frauentag hat hier sogar noch mehr Bedeutung als der Valentinstag in Deutschland … 

    
    
    
 

Milch und Kekse – Schulessen

Bei der Überschrift könnte man denken, dass das Schulessen an meiner Schule aus Süßigkeiten ohne Ende besteht – leider nein 😀 Tatsächlich wird jeden Tag in der großen Pause aus einem großen Karton Kekse und Milch an jeden Schüler vergeben. Ein Trinkpäckchen á 200ml Milch, je nachdem welcher Geschmack in der Vorratskammer gegriffen wurde, entweder Erdbeere, Vanille oder Schokolade. img_6084Dazu gibt es nahrhaft angereicherte  „Galletas de Arroz“ („Kekse aus Reis“). Geschmack und Konsistenz ähneln sehr harten, ungesüßten Butterkeksen, wie meine Englischtests. 😀
Aber dass es dieses Angebot gibt,  ist dem „Schulmilchprogramm“ zu verdanken, an dem ca. 250 000 Grundschulkinder in den Randgebieten von Quito und Guayaquil (rund 25 % aller Schulkinder in solchen Gebieten) teilnehmen. Dieses Programm hat eine Reihe positiver Auswirkungen: Es gibt weniger Schulabbrecher, weniger Kinder müssen eine Klassenstufe wiederholen und auch die Mangelernährung hat abgenommen, bei manchen ist das leider ins Gegenteil ungeschlagen, aber da würde ich die Schuld nicht der Milch und den Keksen geben. 😉   „Das H-Milch-Programm in Ecuador, das Modellcharakter in der Region hat, hat eine zusätzliche Förderung erhalten, so dass die Reichweite im Jahr 2013 auf täglich 580 000 Kinder erweitert werden konnte.“, schreibt tetrapak.com, in deren Kooperation mit Nestle und dem ecuadorianischen Bildungsministerium dieses Programm ins Leben gerufen wurde.
In Ecuador gibt es für alles Ministerien, z.B. Entwicklungsministerium, Sportministerium aber auch ein Ministerium für Glück (Ministerio de  felicidad) – wozu letzteres gut ist kann mir selbst meine Gastmutter Virginia nicht erklären! 😀 img_6136Aber eben dieses Bildungsministerium liefert dieses Essen für die Kinder einmal alle 2-3 Monate mit einem riesigen LKW. Dann ist die ganze Schule aus dem Häuschen und die Jungs machen wieder den King unter sich aus – wer am meisten Milchkisten tragen kann. Diese Milch, vor allem mit Geschmack Schokolade, geht schnell weg, die Kekse dagegen kommen wie gesagt, bei den Schülern nicht besonders gut an und bleiben oft liegen – tja ungesüßte, nahhafte Lebensmittel ziehen eben den kürzeren gegenüber Eis und Pommes vom Kiosk gegenüber, der sich in den Pausen fast eine goldene Nase verdient, wenn die halbe Schule am Zaun steht und das durchgeschmuggelte Essen erwartet! 😀