Care-Pakete packen

Wie ich schon geschrieben hatte, ist die Solidarität im Lande sehr groß. Überall wird gespendet: Essen, Kleidung, Matratzen und Hundefutter für die Spürhunde aber natürlich vor allem riesige Mengen an Wasser, Reis, Zucker und Thunfisch finden den Weg zu Sammelstellen. Auch bei mir in der Schule wurde fleißig gesammelt. Kistenweise Dosen Fisch und oben beschriebenes wurden dann in einen LKW geladen und zu einer größeren Sammelstelle gefahren. Dort war ich überwältigt von der Anzahl an freiwilligen Helfern aller Altersgruppen, die Care-Pakete rund um die Uhr packten und auf LKWs verluden und immer noch verladen und weiterhin verladen werden. In einer Schule, die ihre Turnhalle für diese wichtige Aufgabe zur Verfügung stellt, bilden sich Menschenketten, um alles so schnell wie möglich in die betroffenen Gebiete bringen zu können. Alle Produkte kommen aus der Bevölkerung, werden dann aber mit einem Stempel der Regierung versehen, der gleichzeitig kennzeichnet, dass nichts verkauft werden darf. Das ist das einzige, wozu es unter vorgehaltener Hand Kritik über dieses Vorgehen der Regierung gibt. Aber im Angesicht der Not an der Küste tritt dies in den Hintergrund, helfen ist angesagt, das zählt! Ich selbst habe in der vergangenen Woche auch an jedem Tag nach der Schule dort geholfen, viele Menschen waren sehr dankbar, dass ich auch mit angepackt habe. Das staatliche Fernsehen war auch da, das noch dann interviewte. Es wurde mir vorher ralativ genau zugeflüstert, was ich da in die Kamera sage. Ich wollte aber, dass auch alle anderen Helfer abgebildet werden, und so nahm ich eigene Videos auf, die ich am Wochenende zu einem Film zusammenschnitt. Der Link dazu, ist unter dem Beitrag zu finden. ☺️

Eine Woche danach…

Wenn ich in dieser Woche meine sozialen Netzwerke öffnete, kamen und kommen mir sofort Bilder, Videos und Textnachrichten über das Erdbeben entgegen. Das Land ist weiterhin im Ausnahmezustand – auch wenn sich die Lage in Quito weitestgehend normalisiert hat, aber die Hauptstadt war auch nicht so stark betroffen wie die Küstenregion. Dort ist die Zahl der Todesopfer auf über 650 und die Zahl der Verletzten auf über 12.000 angestiegen. Noch immer werden über 100 Menschen vermisst.  Soviel zu den offiziellen Zahlen. Eine Deutsche ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch ums Leben gekommen, eine Austauschschülerin, die sich zur Zeit des Erdbebens in Manta aufhielt, eine der Regionen, die am stärksten betroffen ist. Die Erde hat noch nicht aufgehört zu beben, seit letzter Woche Samstag gab es über 700 Nachbeben, von denen der Großteil so schwach, dass man sie nicht spürte. Am Donnerstag jedoch gab es hier in Quito noch eines der Stärke 6.2, das war dann wieder sehr unheimlich. In den schwer betroffenen Gebieten suchen Hilfsmannschaften noch nach Überlebenden, aber die Hauptaufgabe ist es, die, die mit dem Leben davon gekommen sind, zu versorgen. In den Nachrichten werden viele Bilder aus den betroffenen Gebieten gezeigt, aber das ist nur die eine Seite. Ich habe mit vielen Menschen aus diesen Gebieten Kontakt. Außer denen in sehr stark betroffenen Gebieten geht es den meisten gut und der Alltag ist wieder eingekehrt. Oftmals werden Bilder nur aus den am stärksten betroffenen Straßenzügen gezeigt, obwohl 90% der Stadt quasi unzerstört sind und das Leben wieder ganz normal läuft. In den sozialen Medien werden Familien gezeigt, die auf der Straße oder in Zelten schlafen. Dabei tun sie das oftmals nur, weil sie Angst vor Nachbeben während des Schlafens haben, nicht aber, weil sie obdachlos geworden sind. Trotzdem rückt das ganze Land zusammen, überall gibt es Spendenaktionen, jeder gibt, was er entbehren kann. Auf Flaschen und Dosen werden Nachrichten an die Erdbebenopfer geschrieben. In meiner Schule wurde in jeder Klasse gesammelt, vor allem Trinkwasser, Reis, Zucker, Thunfischdosen und allerlei was man noch so braucht – bis hin zu Handcreme. Man spürt großen Zusammenhalt, aber auch Anspannung und Angst, dass es noch einmal so stark Beben könnte.

Erdbeben 

Liebe Freunde,
ich habe jetzt mit der Nachricht bezüglich des Erdbebens etwas auf mich warten lassen, aber ich denke, alle wissen, dass ich in Sicherheit bin. Zum Zeitpunkt des Bebens war ich gerade in Quito, habe mit einem Kumpel etwas gegessen – dann wackelte das Gebäude für ungefähr eine Minute. Das war um 19:05 Uhr. Das Gebäude wurde evakuiert, vom Kino gegenüber strömten die Menschen nach draußen. Es gab aber keine Panik und mir war das Ausmaß in diesem Moment nicht bewusst. Ich dachte, dass es ein Erbeben war, so wie sie manchmal hier vorkommen. Etwas stärker – ja – aber mehr nicht. Von wegen! Ich ging dann nach Hause, auf dem Weg dahin hörte ich Radio aus den Autos, die auf der Straße standen, es bildeten sich Trauben, denn die Häuser wurden evakuiert. Ich erfuhr, dass das Beben an der Küste noch viel stärker war und als ich mein Handy wieder mit der Steckdose verband und ins WLAN gehen wollte, stand es genauso still wie meine Schüler im Englischunterricht. Als das Internet wieder funktionierte bekam ich Nachrichten von überall, ob ich ok sei, wie es mir ginge und sah, wie die Situation an der Küste war! Schrecklich! Ich selbst habe Freunde in den betroffenen Gebieten und wollte eigentlich am Wochenende dorthin reisen, wo das Epizentrum war – nach Esmeraldas an die Küste. 7,8 auf der Richterskala, Häuser eingestürzt, Straßen unpassierbar und eine minütlich ansteigende Anzahl an Toten und Verletzten. Wir Freiwillige sind eine Gruppe von 17 Jungen und Mädchen, 4 davon waren zu diesem Zeitpunkt an der Küste, sie wohnen dort. Allen geht es gut, aber auch ihre Häuser sind teilweise eingestürzt, mussten unter die Tische krabbeln und haben so schnell wie möglich das Freie gesucht. Aber alle sind wohlauf. Wir hatten in den folgenden zwei Tagen viel Kontakt zu Deutschland, mit der Organisation, Botschaft, Eltern, Freunden usw …

Die Situation in Quito ist ruhig , hat sich normalisiert , ich gebe Unterricht an meiner Schule und man merkt es nur an den Spendendanmlungen, die überall durchgeführt werden. Ganz im Gegenteil zur Küstenregion. Dort wurde auch noch eine Tsunamiwarnung ausgerufen, die sich allerdings glücklicherweise nicht bewahrheitete und wieder zurück genommen wurde.

Ich kann von Quito aus wenig tun, hier werden von überall Lebensmittel sowie Kleidung gespendet. Ich habe meine Reiseapotheke abgegeben, musste dabei die Rezepte natürlich übersetzen, aber sie haben sich sehr darüber gefreut!

Ansonsten werden die Regionen an der Küste momentan vom Militär kontrolliert, sind quasi abgeschnitten auch durch die zerstörten Straßen.

Das macht es kompliziert, die Kommunikation läuft jetzt hauptsächlich über Facebook. Dort werden dann oftmals gegensätzliche Nachrichten gepostet, was die Sache nicht einfacher macht. Von offizieller Seite wurde gesagt, dass keine Helfer aus der Bevölkerung in die Gebiete sollen, denn sonst hat man auch noch Probleme mit der Versorgung dieser Menschen – die Situation mit Lebensmitteln, Trinkwasser und vor allem Medikamenten ist schon sehr schwierig. Da kann man es nicht gebrauchen, dass noch mehr Leute dort diese Güter verbrauchen. Deshalb werden professionelle Suchmannschaften hingeschickt, um immer noch Verschüttete zu bergen.
Ich habe versucht die Situation etwas zusammenzufassen, es Ist schwer momentan das alles so zu ordnen.

Wenn es etwas Neues gibt, werde ich es sofort mitteilen, aber wie gesagt, die Situation in Quito ist normal und mir geht es gut! 🙂
Liebe Grüße, Ferdi 🙂