Erdbeben 

Liebe Freunde,
ich habe jetzt mit der Nachricht bezüglich des Erdbebens etwas auf mich warten lassen, aber ich denke, alle wissen, dass ich in Sicherheit bin. Zum Zeitpunkt des Bebens war ich gerade in Quito, habe mit einem Kumpel etwas gegessen – dann wackelte das Gebäude für ungefähr eine Minute. Das war um 19:05 Uhr. Das Gebäude wurde evakuiert, vom Kino gegenüber strömten die Menschen nach draußen. Es gab aber keine Panik und mir war das Ausmaß in diesem Moment nicht bewusst. Ich dachte, dass es ein Erbeben war, so wie sie manchmal hier vorkommen. Etwas stärker – ja – aber mehr nicht. Von wegen! Ich ging dann nach Hause, auf dem Weg dahin hörte ich Radio aus den Autos, die auf der Straße standen, es bildeten sich Trauben, denn die Häuser wurden evakuiert. Ich erfuhr, dass das Beben an der Küste noch viel stärker war und als ich mein Handy wieder mit der Steckdose verband und ins WLAN gehen wollte, stand es genauso still wie meine Schüler im Englischunterricht. Als das Internet wieder funktionierte bekam ich Nachrichten von überall, ob ich ok sei, wie es mir ginge und sah, wie die Situation an der Küste war! Schrecklich! Ich selbst habe Freunde in den betroffenen Gebieten und wollte eigentlich am Wochenende dorthin reisen, wo das Epizentrum war – nach Esmeraldas an die Küste. 7,8 auf der Richterskala, Häuser eingestürzt, Straßen unpassierbar und eine minütlich ansteigende Anzahl an Toten und Verletzten. Wir Freiwillige sind eine Gruppe von 17 Jungen und Mädchen, 4 davon waren zu diesem Zeitpunkt an der Küste, sie wohnen dort. Allen geht es gut, aber auch ihre Häuser sind teilweise eingestürzt, mussten unter die Tische krabbeln und haben so schnell wie möglich das Freie gesucht. Aber alle sind wohlauf. Wir hatten in den folgenden zwei Tagen viel Kontakt zu Deutschland, mit der Organisation, Botschaft, Eltern, Freunden usw …

Die Situation in Quito ist ruhig , hat sich normalisiert , ich gebe Unterricht an meiner Schule und man merkt es nur an den Spendendanmlungen, die überall durchgeführt werden. Ganz im Gegenteil zur Küstenregion. Dort wurde auch noch eine Tsunamiwarnung ausgerufen, die sich allerdings glücklicherweise nicht bewahrheitete und wieder zurück genommen wurde.

Ich kann von Quito aus wenig tun, hier werden von überall Lebensmittel sowie Kleidung gespendet. Ich habe meine Reiseapotheke abgegeben, musste dabei die Rezepte natürlich übersetzen, aber sie haben sich sehr darüber gefreut!

Ansonsten werden die Regionen an der Küste momentan vom Militär kontrolliert, sind quasi abgeschnitten auch durch die zerstörten Straßen.

Das macht es kompliziert, die Kommunikation läuft jetzt hauptsächlich über Facebook. Dort werden dann oftmals gegensätzliche Nachrichten gepostet, was die Sache nicht einfacher macht. Von offizieller Seite wurde gesagt, dass keine Helfer aus der Bevölkerung in die Gebiete sollen, denn sonst hat man auch noch Probleme mit der Versorgung dieser Menschen – die Situation mit Lebensmitteln, Trinkwasser und vor allem Medikamenten ist schon sehr schwierig. Da kann man es nicht gebrauchen, dass noch mehr Leute dort diese Güter verbrauchen. Deshalb werden professionelle Suchmannschaften hingeschickt, um immer noch Verschüttete zu bergen.
Ich habe versucht die Situation etwas zusammenzufassen, es Ist schwer momentan das alles so zu ordnen.

Wenn es etwas Neues gibt, werde ich es sofort mitteilen, aber wie gesagt, die Situation in Quito ist normal und mir geht es gut! 🙂
Liebe Grüße, Ferdi 🙂

Ein Gedanke zu “Erdbeben 

  1. Annett

    Lieber Ferdinand, auch wir, Emilia, Ralf und Annett sind sehr froh, dass Du wohlauf bist. Ich habe die Erdbeben-Nachricht am Sonntag auf dem Weg zur Arbeit gehört und sofort an Dich gedacht. Aber Bodo hat gleich die gute Nachricht verbreitet. Ralf und ich verfolgen immer mit Spannung Deine Berichte aus dem Alltag und Dir gelingt es immer wieder sehr gut ein Bild im Innern entstehen zu lassen, so als ob wir selbst dabei wären. Mach weiter so, auch wenn es jetzt in dem Chaos Dir bestimmt nicht leicht fällt. Wir umarmen Dich ganz fest und freuen uns schon auf Deine Rückkehr.
    Mit lieben Grüßen die drei Birkensteiner

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