Schwimmbad

Ich erinnere mich gut an meine Grundschulzeit, als wir im Sommer Schwimmlager hatten. 3 Wochen lang sind wir zum Wukensee nach Biesenthal gefahren, um dort unser Schwimmabzeichen abzulegen. Schwimmen konnte ich schon vorher, das hatte ich mit 5 Jahren in Eberswalde gelernt. Deshalb war ich recht gespannt, wie denn die Kinder hier so drauf sind, was das Schwimmen betrifft, denn oft erzählen sie mir, wie sie in den Ferien an die Küste und den Strand fahren.
Diese Woche fahren wir (abwechselnd der Sportlehrer und ich) mit einem extra für die Schule bereit gestellten Bus mit den einzelnen Klassenstufen in ein kleines Schwimmbad, eigentlich mehr Pool und planschen dort mit den ca. 25 Kindern. Das Becken ist höchstens 1,50 m an der tiefsten Stelle, aber das ist auch gut, denn wir wollen ja nicht, dass jemand ertrinkt. Ich war erstaunt, denn eigentlich können nur zwei Kinder wirklich gut schwimmen – und das von der ganzen Schule. Ungefähr die Hälfte kann sich mit Hundepaddeln über Wasser halten, was hier vom Sportlehrer als Schwimmen beigebracht wird. Ich sprach ihn darauf an und er sagte mir, dass die Zeit fehle, um richtiges Brustschwimmen zu lehren. Das ist nicht in zwei Stunden gelernt. So muss man sich damit begnügen, dass man den Kindern beibringt, wie man sich im Notfall über Wasser halten kann. Es ist aber auch wieder schade, dass viele Kinder deshalb Angst vor dem Wasser haben, das gilt vor allem für die Mädchen. Anders die Jungs. Auch die, die nicht wirklich schwimmen können, stürzen sich von der Rutsche ins etwas tiefere Wasser, joah …. und dann mal gucken – „irgendwie werde ich schon überleben“ scheint das Motto zu sein. Obwohl gefühlte 5 Liter Wasser geschluckt werden, rennen sie, sich das Wasser aus der Luftröhre hustend, so schnell wie es nur geht wieder zur Leiter der Rutsche, sprinten diese hinauf, um sich aufs Neue ins Nasse hinunterzustürzen. Das ist ein riesen Spaß für die Kinder, man merkt richtig, wie sie es genießen, nicht in der Schule zu sein, sondern sich mit ihren Freunden in der Piscina zu vergnügen!
Das ging uns damals genauso 😃

PS: Das Video hab ich in der letzten Woche aufgenommen und dann geschnitten und mit Musik unterlegt. Ich hoffe, daran kann man einen noch besseren Eindruck gewinnen und sehen, wie das so ablief! 🙂

Pichincha mit dem Pferd

Es war einer meiner ersten Ausflüge in Ecuador, im September war ich schon einmal  am/auf dem Pichincha. Das ist der „Hausberg“ von Quito, eigentlich Vulkan. Mein peruanischer Freund Omar wollte unbedingt an diesem Wochenende dort hin und einen Ausritt auf einem Pferd machen. Ich hatte darauf auch Lust, und so „mieteten“ wir uns für 2 Std jeweils ein Pferd und trabten und galoppierten dort etwas herum. Die Landschaft ist einmalig, auf 4200 m Höhe wächst vor allem Gras. Ich fühlte mich auf meinem Sattel an meine Kindheitshelden Old Shatterhand und Winnetou erinnert, die so durch die Prärie ritten. Ganz so war es vielleicht nicht, denn reiten kann ich eigentlich nicht.  Wir waren dankbar, dass wir eine Führerin hatten, die uns zeigte wie man die laufenden Untersätze per Zungengeräusch bediente. So einfach ist es nicht, runtergefallen bin ich zum Glück nicht, aber ich bewunderte einmal mehr diese wunderschönen Tiere und Menschen, die reiten können! 🙂

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Mitad del Mundo („Hälfte der Erde“)

Wenn ich mich nach jedem Tag im Spiegel ansehe, bin ich eher Tomate als Mensch. So fühle ich mich zumindest, denn ich bin von der Sonne genauso rot gefärbt wie das sonnengereifte Strauchgemüse. Ich werde jeden Tag daran erinnert, dass ich auf 3000m Höhe und direkt am Äquator lebe, Sonnencreme hilft da nur wenig.
Und für eben diesen Äquator gibt es in der Nähe von Quito ein „Denkmal“. So ähnlich wie der Nullmeridian im Stadtviertel Greenwich in London wird dort aus dem Fakt Profit geschlagen, dass Ecuador am Äquator liegt – woher das Land ja auch seinen Namen hat.
Ich dachte mir aber, dass es ja nicht sein kann, dass ich 1 Jahr lang 30 km entfernt von dieser Stelle lebe, und es mir nicht einmal angeguckt habe. So also fuhr ich mit dem Stadtbus eine Stunde dort hin, zahlte saftigen Eintritt und konnte mich dann auf diesem Touristenspielplatz mit anderen Neugierigen tummeln. Ach was sage ich?! „Spielplatz“ – ein ganzer Vergnügungspark mit Restaurants, Souvenir Shops , Denkmälern, Aufführungen von Tänzen usw. Das eigentliche Denkmal, der Obelisk im Zentrum mit der Weltkugel oben drauf, weswegen man eigentlich dort ist, scheint bei dem Angebot an kitschigen Souvenirs und überteuerten Restaurants ganz in den Hintergrund zu geraten.

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Ich machte auch die obligatorischen Fotos, sah anderen Touristen dabei zu, wie abwechselnd auf der einen und der anderen Seite der Linie herumgesprungen wurde und machte einen kleinen Rundgang. Büsten von wichtigen Geologen und Wissenschaftlern aus dem 18. Jhd. waren noch zu sehen, ebenso wie Museen, in denen die Geschichte  der Vermessung der Welt gut dargestellt wurde.
Nach 2 Std hatte ich aber wieder Lust auf Ecuador, nicht auf touristische Inseln, mitten in diesem wundervollen Land! 🙂
Es war trotzdem schön, es gesehen zu haben. Am Schluss muss ich aber noch dazu sagen, dass die Linie, die für den Äquator gehalten wird, nicht eben dieser ist. Vermessungen haben ergeben, dass 240 m entfernt die eigentliche Teilung der Erde in Nord- und Südhalbkugel ist. Das interessiert aber recht wenige, es stellen sich trotzdem viele gern auf den Strich … 😉 😀

2 auf einmal

Gerade schreibe ich einen Artikel über das „Land nach dem Erdbeben“, schon erinnert uns die Mutter Natur daran, dass es kein vor und danach gibt. Heute Nacht wachte ich um 2.58 Uhr Ortszeit auf, weil die Erde bebte – und das nicht gerade sanft. 6,7 auf der Richterskala, Epizentrum wieder an der Küste nahe Esmeraldas. Ich bekam einen großen Schreck, rannte raus und sah, wie die Nachbarn ebenfalls das Haus verließen. Wir warteten ungefähr eine halbe Stunde und legten uns dann wieder zu Bett. Im Internet las ich am Morgen, dass es ungefähr ein Dutzend Nachbeben gab, alle so mit einer Stärke von 3,0 bis 4,0.

In der Schule lief alles normal, bis um 11.46 Uhr Ortszeit wieder die Glocken läuteten und alle Schüler panisch auf den Schulhof rannten. Dort wurden sie aber von den Lehrern beruhigt, versammten sich Klasse für Klasse, dann wurde durchgezählt – alle da! Diesmal 6,2 , ebensfalls Epizentrum an der Küste.

Am Abend guckte ich noch einmal die Nachrichten, im gesamten Tagesverlauf gab es ungefähr 30 Beben, alle halbe Stunde, von denen man aber nichts mitbekommt.

Die Erdplatten kommen nicht zur Ruhe und ich denke, dass ich in den restlichen drei Monaten noch einige Erdbeben erleben könnte. Die Menschen gehen hier normal damit um, haben zwar Angst, aber ich habe das Gefühl, es wird zum Alltag und eine halbe Stunde später ist die Tratscherei über Nachbarskinder wieder wichtiger als das Erdbeben…

Land nach dem Erdbeben

An den letzten Wochenenden war ich viel in Quito unterwegs, habe hier mit Freunden etwas unternommen oder bin einfach mit dem Fahrrad in der Stadt umhergefahren, Zeit habe ich dafür ja hier eigentlich genug!
Letztes Wochenende bin ich dann aber wieder einmal an die Küste, nach Guayaquil, gefahren. Dort traf ich einen Freund, der auch Freiwilliger in Ecuador ist, und meine Freundin und wir fuhren gemeinsam nach Montanita. Dort war ich ja schon einmal im letzten Jahr, es hatte mir ganz gut gefallen und so fuhren wir noch einmal zu dritt in das Küstendorf. Als wir am Abend spät in Montanita ankamen und aus dem Bus ausstiegen, wartete ungefähr ein Dutzend Hoteliers an der Haltestelle, um uns ihre Zimmer zu Ramsch-Preisen anzubieten. 5 Dollar pro Nacht und Person, Internet und warmes Wasser inklusive, und das in einem Ort, in dem die Preise eigentlich weit über dem Durchschnitt Ecuadors liegen. Montanita ist in Ecuador vor allem für Partys und Drogenexzesse bekannt, da sind auch viele Touristen… Der Ort liegt an der Pazifikküste, aber in einem Bereich, der von den Erdbeben nicht so stark betroffen war, doch der in die Berichterstattung genauso mit einbezogen wurde. Des Öfteren habe ich mir in den deutschen Nachrichten angeschaut, wie über die Situation hier in Ecuador berichtet wird. Auch in den sozialen Netzwerken tauchen massenhaft Berichte und Bilder darüber auf. Und ich sprach mit dort Lebenden, die vom Tourismus abhängig sind. Sie sagten mir, dass jetzt signifikant weniger Menschen kämen und dass dies alles mit dem Erdbeben zusammenhängt und mit der Angst, die verbreitet würde. Und das sieht man nun an den niedrigen Übernachtungspreisen. Das machen die Menschen dort nur, um überhaupt Gäste zu bekommen, groß gewinnbringend kann das beim besten Willen nicht sein. Das ist traurig, denn in einer Situation, in der viel zerstört wurde, die Wirtschaft auch stark davon betroffen ist, kann es ein Land, denke ich, mehr gebrauchen, wenn Touristen ihr Geld im Land lassen, als einmalig z.B. 5 Euro zu spenden. Ich will es nicht schlecht heißen, dass gespendet wurde, aber das beläuft sich oftmals auf eine einmalige Sache und nicht auf die nachhaltige Ankurbelung der Wirtschaft. Viele Städte in den Regionen warben schon zwei Tage (!) nach dem Erdbeben damit, dass an ihrem Ort alles ok sei, damit die Touristen, die die Haupt-Einnahmequelle beim Erwerb sind, nicht verschwinden. Aber oftmals haben Nachrichten und soziale Netzwerke, die meistens nur einen Ausschnitt zeigen wollen oder können, mehr Einfluss auf die Entscheidungsfindung des Urlaubsziels als Berichte vor Ort ….

PS: Kleine Sache zum Schmunzeln noch am Ende: Am letzten Abend in Montañita ging ich zum Hotel und auf einmal flog ein Papagei auf meine Schulter. Einfach so. Zugeflogen. Dann ließ er Fotos mit sich machen und schwupp, war er auch schon wieder im Busch verschwunden … 😀 🙂