Land nach dem Erdbeben

An den letzten Wochenenden war ich viel in Quito unterwegs, habe hier mit Freunden etwas unternommen oder bin einfach mit dem Fahrrad in der Stadt umhergefahren, Zeit habe ich dafür ja hier eigentlich genug!
Letztes Wochenende bin ich dann aber wieder einmal an die Küste, nach Guayaquil, gefahren. Dort traf ich einen Freund, der auch Freiwilliger in Ecuador ist, und meine Freundin und wir fuhren gemeinsam nach Montanita. Dort war ich ja schon einmal im letzten Jahr, es hatte mir ganz gut gefallen und so fuhren wir noch einmal zu dritt in das Küstendorf. Als wir am Abend spät in Montanita ankamen und aus dem Bus ausstiegen, wartete ungefähr ein Dutzend Hoteliers an der Haltestelle, um uns ihre Zimmer zu Ramsch-Preisen anzubieten. 5 Dollar pro Nacht und Person, Internet und warmes Wasser inklusive, und das in einem Ort, in dem die Preise eigentlich weit über dem Durchschnitt Ecuadors liegen. Montanita ist in Ecuador vor allem für Partys und Drogenexzesse bekannt, da sind auch viele Touristen… Der Ort liegt an der Pazifikküste, aber in einem Bereich, der von den Erdbeben nicht so stark betroffen war, doch der in die Berichterstattung genauso mit einbezogen wurde. Des Öfteren habe ich mir in den deutschen Nachrichten angeschaut, wie über die Situation hier in Ecuador berichtet wird. Auch in den sozialen Netzwerken tauchen massenhaft Berichte und Bilder darüber auf. Und ich sprach mit dort Lebenden, die vom Tourismus abhängig sind. Sie sagten mir, dass jetzt signifikant weniger Menschen kämen und dass dies alles mit dem Erdbeben zusammenhängt und mit der Angst, die verbreitet würde. Und das sieht man nun an den niedrigen Übernachtungspreisen. Das machen die Menschen dort nur, um überhaupt Gäste zu bekommen, groß gewinnbringend kann das beim besten Willen nicht sein. Das ist traurig, denn in einer Situation, in der viel zerstört wurde, die Wirtschaft auch stark davon betroffen ist, kann es ein Land, denke ich, mehr gebrauchen, wenn Touristen ihr Geld im Land lassen, als einmalig z.B. 5 Euro zu spenden. Ich will es nicht schlecht heißen, dass gespendet wurde, aber das beläuft sich oftmals auf eine einmalige Sache und nicht auf die nachhaltige Ankurbelung der Wirtschaft. Viele Städte in den Regionen warben schon zwei Tage (!) nach dem Erdbeben damit, dass an ihrem Ort alles ok sei, damit die Touristen, die die Haupt-Einnahmequelle beim Erwerb sind, nicht verschwinden. Aber oftmals haben Nachrichten und soziale Netzwerke, die meistens nur einen Ausschnitt zeigen wollen oder können, mehr Einfluss auf die Entscheidungsfindung des Urlaubsziels als Berichte vor Ort ….

PS: Kleine Sache zum Schmunzeln noch am Ende: Am letzten Abend in Montañita ging ich zum Hotel und auf einmal flog ein Papagei auf meine Schulter. Einfach so. Zugeflogen. Dann ließ er Fotos mit sich machen und schwupp, war er auch schon wieder im Busch verschwunden … 😀 🙂


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