Guayasamin

Da meine Kumpels am letzten Wochenende auch am Sonntag noch in Quito blieben, beschlossen wir, nach der Kräfte zehrenden Tour auf den Pichincha, den Sonntag etwas ruhiger zu verbringen. Im Norden der Stadt befindet sich eines der bekanntesten Museen, das des Malers Oswaldo Guayasamin. Er gehört zu den wichtigsten Künstlern Ecuadors. Er lebte von 1919-1999 in Quito und heute existiert neben seinem ehemaligen Wohnhaus sein Museum. Indigenismo nennt sich diese Art von Kunst, die vor allem in Peru, Bolivien, Ecuador und Mexiko entstand. Dabei umfasst der Begriff nicht nur kulturelle Aspekte, sondern beschreibt vielmehr eine politisch-ideologische Strömung, die durch die Revolution in Mexiko zwischen 1910 und 1920 in Gang gesetzt wurde. Guayasamin drückt in vielen Bildern die Gefühlslage der indigenen Bevölkerung aus, wie in seinem Bild „Schrei“, wo das verhärmte Gesicht von der Hand bedeckt ist und damit das Leid widerspiegelt. Wir nahmen an einer Führung durch das Museum teil, was sehr edel und modern gestaltet ist. Anschließend verschlug es uns in das ehemalige Wohnhaus des Malers, wo uns die Dialektik des Malers gezeigt wurde. Große Anlage, Pool, reich verzierte Zimmer, Freunde wie Chaves und Fidel Castro, aber auf der anderen Seite war einer seiner großen Geldgeber der ehemalige US-Vizepräsident Rockefeller. Wie passt das zusammen? Das fragten wir uns auch, denn wir erinnerten uns an die Bilder, die vor allem von Leid und Elend handelten, nicht selten von sozialistischen Helden wie Victor Jara, der auf einem Bild zu sehen war, als ihm im Estadio Chile nach dem Militärputsch die Zunge rausgeschnitten und Hände abgehackt wurden. Die Bilder drücken sehr viel aus, lassen sehr viel Interpretationsspielraum zu und sind, was die Austellungsorte auf der ganzen Welt belegen, wie Paris und Madrid (im Eingang des Unesco-Gebäudes in Paris und am Flughafen Barajas sind große Wandgemälde von ihm zu sehen), sehr berühmt. Mich spricht diese Art von Kunst nicht so sehr an, aber ich denke, dass Kunst auf die Art und Weise bildet, dass man sich in den Künstler hineinversetzt und sich darüber Gedanken macht, was ihm bei der Erstellung wohl durch den Kopf gegangen sein könnte. Da überlegt man bei diesem Künstler und seinen Werken manchmal eine ganze Weile …

„Ich jammerte, weil ich keine Schuhe hatte, bis ich ein Kind ohne Füße sah.“

 

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