Atacames Schule

Bisher war ich in Quito in einer Grundschule, 1. – 7. Klasse, 5-13jährige Schüler. Für meine letzten Wochen meines FSJ sollte ich nun an ein Colegio, die weiterführende Schule hier in Ecuador. Es wird nicht wie in Deutschland zwischen Gymnasium und Oberschule unterschieden, alle gehen nach der Grundschule auf ein Colegio – wenn sie nicht schon nach Ende der allgemeinen Schulpflicht mit 14 Jahren von den Eltern aus der Schule genommen wurden.
An diesem Colegio hier in Atacames an der Küste sollten Lorenz, ein anderer Freiwilliger aus Deutschland, und ich als Hilfe der hauptamtlichen Englischlehrerin fungieren. Sehr überrascht hat mich ist die Anzahl der Englischstunden: 4 Std pro Klasse in der Woche. In Quito bei meiner Grundschule Pablo Neruda waren es nur 1-2 Std je Klasse pro Woche.
Die Englischlehrerin am Colegio war von uns beiden begeistert, tat sich selbst aber mit dem Englisch etwas schwer.
Wir unterrichteten also manchmal zu dritt in einer Klasse, das machte sich ganz gut, denn so konnte einer den Stoff erklären, der andere das Tafelbild vervollständigen und die jeweils ‚freie‘ Person durch den Raum gehen und kontrollieren, dass sich die Zahl der Verständigungsprobleme und Abschreibfehler minimierte… Allerdings lies uns die Lehrerin oftmals auch die Klasse allein unterrichten.
So richtig motiviert schienen aber auch leider nur wenige der Schüler, ein Teil hatte keine richtige Einstellung zum Lernen, kam zu spät oder brachte das Unterrichtsmaterial nicht mit. Jeder Schüler bekommt kostenlos von der Regierung Englischbücher, die eigentlich eine gute Grundlage für den Unterricht hätten sein können – wenn sie eben auch alle dabei gehabt hätten. Wir stellten uns oft die Frage, wie all dieser Unterrichtsstoff am verständlichsten den Schülern beigebracht werden kann.
Das Englischbuch behandelt relativ anspruchsvolle Themen, wie die Deklination des Verbes to be, das present progressive oder englische Redewendungen.
Wir merkten aber auch schnell, dass die Schüler am leichtesten zu begeistern waren und zum Mitmachen bewegt werden konnten, wenn man aktiv mit ihnen arbeitete und auf ihre Interessen einging. Dazu übersetzten wir englische Lieder von ihren Lieblingssängern ins Spanische,  Lorenz holte die Gitarre raus oder ich griff auf meine Erfahrung beim LISUM zurück und wir spielten „Obstsalat“ um die Namen der Früchte zu lernen. Leider war es der Lehrerin von nebenan zu laut und verbat sich dann diese Art des Unterrichts 😕
Am Ende tat es uns etwas leid um die Schüler, die wirklich was auf dem Kasten hatten und lernen wollten, denn davon gab es in jeder noch so schlimmen Klasse eine nicht zu vernachlässigende Anzahl. Aber es ist eben schwer, den Mittelweg zu finden zwischen einem strengen Lehrer der seinen Stoff durchbringt und einem verständnisvollen und liebevollem, der auf seine Schüler eingeht …
Insgesamt hatten wir erwartet, dass wir an einer weiterführenden Schule vielleicht noch intensiver unterrichten könnten, allerdings waren wir am Ende eigentlich nur froh, dass die Schüler uns wenigstens jedes mal mit „Good morning teacher“ begrüßten …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s