Nationalpark Cuyabeno Teil 2

6.00 klingelte der Wecker, denn wir wollten von dem Lodge-eigenen 20m hohen Holzturm Vögel beobachten.
„Guacamayo“ (eine Ara-Art) machte seinem Namen nun alle Ehre, denn zwei blaue-gelbe Aras erwarteten uns bereits in 10m Entfernung und gaben sich den „Guten-Morgen-Kuss“. Aber nicht nur diese, sondern auch allerlei andere Vögel sahen wir, die mehr oder weniger laut auf sich aufmerksam machten. Mit dem Fernglas von William waren wir bestens ausgerüstet und konnten dadurch auch die Fotos machen, denn mein „Subjektiv am Fernsprecher“ 😉 reicht leider nicht aus, um gestochen scharfe Bilder zu machen.

Im Anschluss stiegen wir wieder in unser Boot und fuhren diesmal zu einer Siedlung von Einheimischen. Ganz anders als man es sich vorstellt, haben sie in ihren Holzhütten fast alles, was die Welt des 21. Jahrhunderts so hergibt. Keiner muss mehr auf Fernsehen, Smartphone und Waschmaschine verzichten.
Zu allererst ging es zu einem Schamanen. Dieser Medizinmann des Dorfes lud uns in seine Holzhütte etwas entfernt der Siedlung ein und erklärte uns sein Handwerk:
In diesen Gegenden wird noch immer auf die Heilung von Medizinmännern vertraut, die u.a. einen Trank Namens Ayahuasca herstellen. Dieser psychedelisch wirkende Pflanzensud lasse den Schamanen in eine höhere Welt eintauchen. Es wurde uns weiterhin erklärt, er baue dann durch übernatürliche Kräfte eine Verbindung zu den Geistern im Körper des Patienten auf und würde so erfahren, welche Medizin benötigt würde.
Der Schamane habe gelernt, die Wirkung der „Droge“ zu kontrollieren. Besucher können diesen Trank auch zu sich nehmen, um mehr über sich zu erfahren und sich in eine andere Welt zu versetzen. Drei unserer Freiwilligen, die vor und schon hier waren, haben dies getan und berichteten von Visionen wie metergroße Insekten, die über den Fluss zu ihnen laufen, aber auch von stundenlangen Brechanfällen… 😟
Das Handwerk des Schamanen könne in 10-15 jähriger Ausbildung gelernt werden, allerdings sei es sehr schwer, bedürfe großer Geduld und Ausdauer. Auch sei nicht jeder geeignet und nur 1-2 von anfangs 15 Schülern aus seiner aktuellen Gruppe werden es in diesem Jahrgang wohl schaffen.

Zum Ende schossen wir noch mit dem Blasrohr des Schamanen auf ein Stück Kartoffel. Ich traf nicht schlecht und mit ein bisschen mehr Übung könnte ich vielleicht das ein oder andere Tier lautlos erlegen. 😉

Im Anschluss fuhren wir zurück ins Dorf. Dort erwartete uns eine Frau, die uns nun ihr Handwerk zeigen wollte: Brot backen. Aber nicht irgendein Brot sondern „Pan de Yuca“ (Yucabrot). Yuca ist die umgangssprachliche Bezeichnung für Maniok in Südamerika. Die ca. 10-30 cm große Wurzel ernteten wir sogleich, sie wurde geschält, gewaschen und dann mit einer Raspel zerrieben wobei dies eine weiße Masse ergibt – ähnlich wie zerriebene Mohrrüben. Diese wird danach mit einem geflochtenen Palmenblatt ausgewrungen, wobei das „Yucamehl“ übrig bleibt. Diese Masse wird dann auf der heißen Platte über dem Feuer gebacken. Ähnlich wie ein Crêpe wird die Masse ca. 2mm dick aufgetragen und 3 Minuten gebacken. Dann ist es fertig zum Verzehr. Ohne weitere Zusatzstoffe wie Hefe oder Zucker oder Wasser hatten wir nun unser Brot. Im Anschluss gab es Nachtisch: Maden. Ebenso frisch gesammelt, dann aufgespießt und geröstet schmecken sie entegenden der vorangegangenen Befürchtung recht schmackhaft.

Am folgenden Tag traten wir nach drei Nächten in der Guacamayo EcoLodge den Weg zurück in die Zivilisation an. Meine Sachen rochen aufgrund des anhaltenden Regens alle etwas muffelig, mein Handy hatte einen Wasserschaden, aber ich bin um viele viele Erfahrungen reicher! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s