Mein letzter Tag in der Schule

Ich hätte vor ein paar Wochen nicht gedacht, dass die Zeit so schnell vorbei geht. Aber wenn man dann voll drin ist, mit den Lehrerkollegen nach Hause fährt, sie privat kennt, seine Schüler lieb gewonnen hat und die Schule wie ein zweites Zuhause geworden ist, dann fällt der Abschied doch schwer…
Die Lehrer hatten mich dann gebeten, da ich mit meiner Kamera als Fotograf der Schule gelte, Klassenfotos zu machen. Auch wenn ich kein Profi bin, kam mir das ganz gelegen, denn das ist ja auch eine schöne Gelegenheit für mich, wirklich noch einmal alle Schüler auf einem Foto zur Erinnerung  festzuhalten. Ich wusste, dass es nicht einfach ist, Kinder in einer Position zu halten, aber dass es minutenlang dauert, bis man ihnen einfach beigebracht hat, sich in drei Reihen aufzustellen und freundlich zu gucken, das hätte ich dann doch nicht gedacht! Es fordert, aber es macht Spaß und so hatte ich am Ende alle Klassen im Kasten. In der Momentaufnahme halten sie dann tatsächlich still, auch wenn man in diesen „stillen Bildern“ die Bewegung spüren kann … 😀
Als ich meinen Schülern dann in der letzten Woche sagte, dass das die letzte Sportstunde oder Englischstunde sein werde, merkte ich, dass ich doch vielleicht nicht nur ein Lehrer war. In gewisser Weise stand ich abseits der Lehrer, abseits derer, die Noten geben müssen und knallhart in der Verantwortung stehen, den Stoff zu vermitteln und zu erziehen. Ich war auch ein Spielgefährte in der Pause der die kleineren Schüler in die Luft warf und natürlich auch wieder auffing. Kinder bekommen so etwas schnell mit und lernen es zu schätzen. Im nächsten Jahr käme ein anderer Freiwilliger, so wie ich, sagte ich ihnen … da schallte es mir nur entegen „Ja, dem werden wir sagen, dass er nicht unser Lehrer ist, sondern Sie“. Da musste ich schmunzeln. Kinder leben im Jetzt und vergessen relativ schnell, können sich schnell mit neuen Gegebenheiten anfreunden und haben damit Erwachsenen, denke ich, etwas voraus. Deshalb werden sie, wenn der neue Freiwillige erst einmal da ist, auch diesen schnell ins Herz schließen, da bin ich keine Ausnahme gewesen. Aber es freut einen trotzdem sehr, wenn man weiß, dass man eine Person ist, die vermisst wird. Am Freitag dann verabschiedete ich mich von allen. Eine Lehrerin brachte ein Flagge von Ecuador mit, auf der alle Kinder und Lehrer unterschrieben und mir dann überreicht wurde. Ganz viele Kinder fragten, wohin ich mit der Flagge will. „Nach Deutschland“ – „WOAAHH Deutschland, also kommt mein Name nach Deutschland? Als ich das bejahte, rannten sie los und mussten das sofort den Freundinnen erzählen, damit ihr Name auch nach Deutschland geht. „Aber warum Deutschland? Du wohnst doch hier?“ – Am schönsten bei diesen Fragen ist, dass einem bewusst ist, dass die Welt von 5 jährigen noch so klein ist, dass sie viele Sachen nicht begreifen und damit ernst meinen. Solche Sätze sind einem tausenmal mehr wert als jedes materielle Abschiedsgeschenk.


Am Ende wurde ich recht sentimental, als ich mich bei Schulschluss am Ausgang der Schule hinsetzte und meine Kleinen beobachtete, wie sie lachend, schreiend, hüpfend die Schule verließen. Mir wurde bewusst, dass ich sie so nicht noch einmal wiedersehen werde, wenn überhaupt. Ich werde zurückkommen, aber in dem Alter sind sie dann eben nicht mehr. Danach hatten alle Lehrer für mich noch Kuchen vorbereitet und wir trafen uns alle noch einmal im Lehrerzimmer und quatschten etwas. Dabei überreichten sie mir ein Geschenk der Schule und wir machten viele Fotos.
Ich denke trotzdem, dass ich erst in ein paar Tagen oder Wochen realisieren werde, dass die Schule „Pablo Neruda“ damit Geschichte für mich ist … ☺

Ein Gedanke zu “Mein letzter Tag in der Schule

  1. Bine

    Irgendwie hat der Computer gesponnen und so setze ich da an, wo ich aufgehört habe, in der Hoffnung, dass die vorn gehenden Zeilen auch gesendet wurden…Also wir freuen uns auf die Grillparty Ende August im Garten bei uns mit einem erwachsen gewordenen Fernando. Ole wohnt mittlerweile in einer eigenen Bude in der Torstraße. Ist noch mit der Einrichtung beschäftigt. Er wird sich die Party sicher auch nicht entgehen lassen. Wir freuen uns auf Dich!

    Liken

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