Trampen auf der Panamericana im Süden Kolumbiens 

Von Pasto wollten wir weiter in den Norden. Dort liegen unter anderem Cali und Bogotá. Da uns die Hauptstadt aus Erzählungen faszinierte, beschlossen wir, uns dorthin aufzumachen. Am Nachmittag ließen wir uns von einem Taxi an den Ausgang Pastos bringen und stellten uns an den Straßenrand der Panamericana. Diese mehr als 36.000 km lange Straße, die von den USA bis hinunter nach Feuerland führt, sind wir schon mit dem Bus langgefahren. Nun beschlossen Laura und ich dort zu trampen. Über eine Stunde lang Daumen raus gehalten und immer noch niemand, der anhielt… Weder LKW, Bus, Auto oder jegliches anderes Vehikel schien sich für uns zu interessieren.

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Unterwegs in Kolumbien

Plötzlich hielt in kleiner Nissan. Zwei gut gebaute Männer auf den vorderen Sitzen wollten uns mitnehmen. Laura und ich wechselten kurz fragende Blicke, ob wir da jetzt wirklich einsteigen sollten, wagten es dann aber trotz Zweifel. Uns war sehr mulmig. Kreditkarte, Geld und Handy hatten wir vorsichtshalber schon im Schuh versteckt. Die ersten Minuten im Auto werde ich nie vergessen – beide Seiten total angespannt, ob man den beiden anderen jeweils trauen kann. So gab es mehr oder weniger sinnvolle Konversationen über Herkunft und Familie, bei denen wir erfuhren, dass einer der beiden halb Italiener war, und jetzt mit Familie in Kolumbien lebt. Ich hatte mir wie immer das Nummernschild und körperliche Merkmale fest eingeprägt, zusätzlich aber noch mein Schlüsselbund für einen härterer Schlag im Falle eines Überfalls der beiden in der Hand – hätte bestimmt nichts gebracht. Laura und ich tauschten uns immer wieder aus darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit wir ausgeraubt werden, mal waren wir bei 60:40 , meistens 50:50 und selten waren wir uns sicher, dass wir heil in Cali ankommen, von wo wir nach Bogotá weiterfahren wollten.

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Polizeikontrolle

Plötzlich kamen wir in eine Polizeikontrolle. Ich war beruhigt, denn so konnte ich mich im Falle eines Überfalls, an diese wenden. Es kam aber anders. Nicht die Kolumbianer wurden von den Polizisten ins Visier genommen, sondern Laura und ich. Warum? Wir hatten nämlich versäumt, uns Stempel Kolumbiens bei der Einreise in den Reisepass geben zu lassen, waren also illegal im Land. Die beiden Männer die uns mitnahmen wurden verständlicherweise sauer, weil sie sich damit strafbar gemacht hatten.

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Wir erklärten den Polizisten, dass wir Englisch Lehrer seien, konnten das Freiwilligenvisum für Ecuador vorzeigen und wir erklärten Ihnen, wie die ganze Sache kam, dass an der Grenze keine Posten waren, wo wir hätten Stempel bekommen können usw. Ehrlich gesagt, erkundigten wir uns danach im Vorfeld gar nicht, was sicher ein Fehler war. Schengen gibt es eben nicht in Südamerika. Nach einem netten Plausch, Zigaretten für die Polizisten und ein paar Fotos, dem Austauschen von Facebook-Namen ging es weiter. Jetzt waren wir uns alle im Auto sicher, dass wir der anderen Seite trauen konnten. Die beiden Männer, Namens Milano und Valencia, dankten uns, dass wir den Polizisten die Umstände so gut auf Spanisch erklären konnten und somit glaubwürdig rüberkamen. Wir fuhren somit bis spät in die Nacht hinein bis Cali. Auf dem Weg wurde uns noch viel erzählt… Stutzig wurden wir immer wieder, wenn wir Kolonnen von LKWs und selbst eine Kolonne von Polizeifahrzeugen überholten. „Das ist sicherer, und oft wird hier auch die Polizei überfallen“ sagte uns der halb Italiener Malino aus Mailand. „Und ihr hellhäutigen Deutschen stellt euch mit riesigen Rücksäcken an den Straßenrand und steigt in jedes Auto ein, was euch irgendwie verspricht mitzunehmen, hier in Süd-Kolumbien, auf der Panamericana … Man man man sind eigentlich alle Deutschen so lebensmüde?!“ – war die Frage auf die ich keine Antwort wusste, mir aber ernsthafte Gedanken darüber machte , was alles hätte passieren können ….

  

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